Während in den Nachkriegsjahren das eigene Häuschen – wenn überhaupt – nur mit fleißiger Mitarbeit von Verwandten, Freunden und Bekannten realisiert werden konnte, gibt es heute so viele verschiedene Formen der Immobilienfinanzierung, dass für nahezu jeden das richtige Modell bereitsteht. Insbesondere seit den Zeiten des Baubooms in den 1970er-Jahren sprießen die Neubaugebiete in fast jeder deutschen Stadt und jedem Dorf nur so aus dem Boden. Da kann man sich schon einmal fragen: Wenn so viele andere es schaffen, ihre eigene Immobilie zu finanzieren, warum sollte ich das nicht auch können? Doch geht das auch ohne oder nur mit geringem Eigenkapital? Wir schauen uns die Möglichkeiten an.
Immobilien werden fast immer finanziert
Fakt ist: Nahezu kein Bauherr oder Immobilienkäufer hat heute den Kaufpreis für das Objekt einfach so auf dem Konto. Im Umkehrschluss bedeutet das: Über 90 Prozent aller Immobilien in Deutschland werden finanziert – von Kreditinstituten, Versicherungen, Bausparkassen und anderen Kapitalgebern. Und selbst völlig ohne Eigenkapital ist es heute möglich, den Traum von der eigenen Immobilie zu realisieren. Dabei werden von einigen Kreditinstituten sogar Darlehen von über 100 Prozent der Kaufsumme zur Verfügung gestellt, damit die Nebenkosten gleich mitfinanziert werden können.
Selbstverständlich muss der Darlehensnehmer dafür entsprechende Sicherheiten zur Verfügung stellen. Er sollte beispielsweise über ein festes Arbeitsverhältnis, das idealerweise schon seit längerem besteht, verfügen. Zusätzlich können Sicherheiten in Form von Kapitallebensversicherungen, anderen Immobilien oder Bürgschaften zur Absicherung der Finanzierung herangezogen werden.
Kritik wird immer lauter
Trotz dieser Absicherungsmaßnahmen haben in den vergangenen Jahren viele Experten den Trend, eine Immobilienfinanzierung immer leichter zu erhalten, scharf kritisiert. Laut einhelliger Meinung wird es den Kreditnehmern zu einfach gemacht, hohe Beträge zur Finanzierung ihrer Wunschimmobilie zu erhalten, ohne die entsprechende Weitsicht hinsichtlich der eigenen finanziellen Möglichkeiten zu haben. So wurden in den vergangenen Jahren oftmals teure Kredite zur Immobilienfinanzierung verkauft, ohne darauf zu achten, ob die Konditionen dieser Finanzierungen überhaupt den Möglichkeiten und Mitteln des Kapitalnehmers angepasst sind.
Wohin dies im Endeffekt führen kann, hat man ganz deutlich an der Immobilienkrise in den USA innerhalb der letzten Jahre gesehen. Reihenweise platzten dort Finanzierungsverträge, Banken gingen Pleite und unzählige Bauherren oder Hauskäufer waren fortan nicht mehr in der Lage, die Raten zur Finanzierung ihrer Immobilie zu bedienen.
Diese Entwicklung hat die Debatte um Eigenkapital bei der Immobilienfinanzierung unter Experten wieder angeheizt. Schon heute spürt man die Auswirkungen dieser Entwicklung. Es werden wesentlich weniger Finanzierungen über 100 Prozent oder gar mehr für eine Immobilie bewilligt, als noch vor wenigen Jahren. Es ist also davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren auch in Deutschland wieder mehr Eigenkapital erforderlich ist, bevor die Finanzierung für eine Immobilie, mit welcher Finanzierungsform auch immer, bewilligt wird.
Eigenkapital sollte immer vorhanden sein
Experten fordern seit jeher, einen gewissen Eigenkapitalanteil in eine Immobilienfinanzierung auf jeden Fall einzubringen, auch weil der Wert von Immobilien immer weiter steigt. Und wenn eine Finanzierung ohne entsprechendes Eigenkapital doch möglich sein sollte, so werden zumindest die Finanzierer dementsprechend höhere Sicherheiten fordern. Selbstverständlich gibt es immer noch Angebote auf dem Markt, die eine Vollfinanzierung für Immobilien anbieten, welche durchaus mehr als 100 Prozent des Kaufpreises betragen kann. Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten. In kaum einem anderen Bereich tummeln sich so viele schwarze Schafe und Kredithaie, wie in der Immobilienfinanzierung. Schließlich geht es hier durchweg um sehr hohe Kreditsummen, mit denen entsprechende Zinsgewinne zu verdienen sind.
Thema Sicherheiten: Wer seinen Immobilientraum möglichst schnell realisieren will oder einfach nicht über genügend Eigenkapital verfügt, kann also durch das zur Verfügung stellen entsprechender Sicherheiten diese Hürde umgehen. Doch welche Sicherheiten sind dabei denkbar? Optimal sind natürlich weitere Immobilien, die sich bereits im Besitz des Darlehensnehmers befinden. Durch eine Hypothek auf diese Immobilien ist es in der Regel überhaupt kein Problem, eine Finanzierung auch ohne Eigenkapital entsprechend abzusichern. Weitere Möglichkeiten bieten sich durch Kapitallebensversicherungen, Restschuldversicherungen oder auch durch Bürgen. Selbstverständlich muss der Bürge dabei entsprechende Voraussetzungen erfüllen, insbesondere im finanziellen Bereich.